Dieser am 22. Juli 2026 sicherheitsfachlich aktualisierte Ratgeber erläutert Grundprinzipien für Hafenmanöver mit Hauptmaschine, Ruder und Leinen. Er ist keine Schritt-für-Schritt-Freigabe für jede Yacht: Propellereffekt, Ruderwirkung, Beschläge, Windangriffsfläche und Hafenregeln unterscheiden sich. Lassen Sie sich das konkrete Boot zeigen, verteilen Sie Aufgaben und Abbruchsignal vorab, halten Sie einen sicheren Ausweichplan bereit und brechen Sie einen Anlauf frühzeitig ab, wenn die Kontrolle verloren geht.

In diesem Artikel erfahren Sie:


Längsseits an einem Kai oder Steg liegen

Ein Boot liegt im rechten Winkel zum Kai

Diese Art Liegeplatz ist in Marinas nicht besonders verbreitet, weil entlang des Ufers dadurch weniger Boote Platz finden. Am ehesten liegen Sie an Tankstellen, Stadtkais oder in ruhigeren Häfen längsseits. Bei erheblichem Schwell ist ein solcher Liegeplatz ungeeignet: Die Bootsseite bewegt sich stark gegenüber dem Kai und muss mit Fendern gut geschützt werden. Fender und Festmacher werden stark belastet, wenn sich das Boot immer wieder vor- und zurückbewegt und die Fender am Kai reiben.

Längsseits an einem Steg anlegen

Darstellung eines Boots beim längsseitigen Anlegen an einem Steg

Vom Längsseitsliegeplatz ablegen

a) Ablegen mit Achterspring

Wenn ich allein auf dem Boot bin, wähle ich eine Achterspring, weil ich sie während des Manövers bequem vom Steuerstand aus bedienen kann. An der Seite zum Steg hängen bereits Fender. Zusätzlich bringe ich direkt am Heck einen weiteren Fender an, wo sich das Boot gegen den Steg abstützen wird. Die Ecke zwischen Rumpfseite und Heckspiegel muss geschützt sein.

Legen Sie die Achterspring auf Slip. Dazu führen Sie die Leine von einer Heckklampe um einen Poller an Land und zurück zur Heckklampe. Sie muss nicht bis zum Bug reichen, doch je länger sie ist, desto leichter dreht sich das Boot in die gewünschte Richtung.

Nun können Sie alle anderen Leinen lösen; nur die Achterspring bleibt belegt. Wie das Boot auf Rückwärtsgang und Ruder reagiert, hängt von Propellerdrehsinn, Ruderanströmung und Rumpfform ab. Erproben Sie die Wirkung deshalb bei ruhigen Bedingungen und mit geringer, kontrollierter Leistung. Stoppen Sie die Maschine beziehungsweise schalten Sie in den Leerlauf, bevor eine Leine eingeholt wird. Dreht das Boot nicht wie geplant oder gerät die Spring in die Nähe des Propellers, brechen Sie das Manöver ab und sichern das Boot erneut, statt die Leistung weiter zu erhöhen.

Darstellung des Ablegens mit Achterspring

b) Ablegen mit Vorspring

Bei starkem Wind schräg von achtern wähle ich eine Vorspring, weil sich ein Boot beim Rückwärtsfahren gegen den Wind leichter kontrollieren lässt. Der einzige Nachteil entsteht, wenn ich keine Crew habe und deshalb die vordere Springleine nicht gleichzeitig mit dem Steuerstand bedienen kann. Dafür ist dieses Manöver bei starkem Wind, der das Boot gegen den Steg drückt und jeden anderen Ablegeversuch riskant macht, wirkungsvoller.

An der Seite zum Steg hängen bereits Fender. Ergänzen Sie weitere Fender bis direkt an den Bug, wo sich das Boot gegen den Steg abstützen wird. Die Bugkante muss geschützt sein.

Legen Sie die Vorspring auf Slip. Sie verläuft von der Bugklampe um einen Poller an Land und zurück zur Bugklampe. Die Leine muss nicht bis zum Heck reichen, doch je länger sie ist, desto leichter dreht sich das Boot in die gewünschte Richtung.

Nun können Sie alle anderen Leinen lösen; nur die Vorspring bleibt belegt. Fender schützen den vorgesehenen Drehpunkt. Lassen Sie die Spring mit geringer, kontrollierter Maschinenleistung Last aufnehmen und beobachten Sie Leine, Klampe und Fender. Die Ruderwirkung im Schraubenstrom hängt von Antrieb und Ruderanordnung ab. Reicht die Wirkung gegen Wind oder Strömung nicht aus, erhöhen Sie die Leistung nicht unbegrenzt, sondern sichern Sie das Boot erneut und wählen Hilfe, einen anderen Ablauf oder einen geeigneteren Zeitpunkt. Vor dem Einholen der Spring kommt die Maschine in den Leerlauf; kein Crewmitglied arbeitet an einer belasteten Leine.

Darstellung des Ablegens mit Vorspring

Mögliche Schwierigkeiten

Ein kritischer Moment entsteht, wenn eine Leine am Poller hängen bleibt oder in Propellernähe gerät. Schalten Sie die Maschine sofort in den Leerlauf, sobald dies sicher möglich ist, und stoppen Sie das Manöver. Werfen Sie eine lose Leine nicht absichtlich in der Nähe eines laufenden Propellers ins Wasser. Sichern Sie das Boot, fordern Sie Hafenhilfe an und lösen oder bergen Sie die Leine erst ohne Zug und bei ausgeschalteter, gegen Starten gesicherter Maschine. Niemand geht zur Leinenbergung ins Wasser, solange der Motor anlaufen kann.

Im Mittelmeer ist das Anlegen im rechten Winkel zum Kai die häufigste Variante. Das Heck wird mit zwei Leinen an Land befestigt. Den Bug hält entweder der eigene Anker des Boots, der weit voraus auf dem Meeresboden gesetzt wird, oder eine am Grund vor dem Boot verankerte Mooringleine.


Anlegen an einer Mooringleine

Wenn ich an meine ersten Segeljahre zurückdenke, die stark vom Verhalten der Mitarbeiter in kroatischen Marinas geprägt waren, hielt ich folgendes Vorgehen für richtig: Die Mooring so schnell wie möglich mit dem Bootshaken aufnehmen, rasch am Bug belegen und gleichzeitig das Heck an Land festmachen, nachdem der Motor bereits ausgeschaltet wurde. Im Folgenden sehen wir, dass der Ablauf ganz anders und in Ruhe durchgeführt werden kann – sogar allein, ohne Crew oder moderne Hilfen wie ein Bugstrahlruder.

Segelboote an Moorings bei Kornat im kroatischen Kornati-Archipel

Was ist ein Mooringliegeplatz?

Dabei wird ein Boot mit Bug oder Heck zum Steg festgemacht. Eine tragende Mooringleine führt zu einem Grundgeschirr in ausreichendem Abstand vom Steg; eine dünnere Aufholleine macht sie erreichbar. Aufbau, Tragfähigkeit und Übergabe unterscheiden sich je nach Hafen. Diese Art des Festmachens ist in Teilen des Mittelmeers verbreitet. Befolgen Sie die Anweisung des Hafenpersonals, prüfen Sie die Leinenführung und halten Sie die Mooring jederzeit vom Propeller fern.

Sollten Sie mit Heck oder Bug voraus anlegen?

Bei einem Boot, das sich rückwärts gut manövrieren lässt – wie die meisten modernen Charteryachten –, nähere ich mich dem Ufer lieber mit dem Heck voraus. Dafür gibt es mehrere gute Gründe. Vom Steuerstand aus sehe ich das Heck deutlich und kann deshalb den Abstand zum Ufer genauer einschätzen. Sobald die luvseitige Heckleine belegt ist, kann ich das Boot mit dem Motor kontrollieren und in der gewünschten Position halten, ohne dass der Wind es wegträgt. Dadurch bleibt genügend Zeit, die Mooringleine zu belegen. Außerdem lässt es sich vom Heck leichter an Land steigen.

Für eine Annäherung mit dem Bug voraus kann etwa flaches Wasser am Ufer sprechen. Die Wirkung von Propeller, Ruder und einer luvseitigen Leine hängt jedoch von der konkreten Antriebs- und Beschlagsanordnung ab. Verlassen Sie sich nicht auf eine pauschale Aussage zur Ruderwirkung: Klären Sie das Verhalten bei der Bootsübernahme und wählen Sie den Anlauf, bei dem Crew, Tiefgang und Wind sicher beherrschbar bleiben.

Das Boot mit dem Heck zum Kai festmachen

Ich beginne in ausreichendem Abstand zum Ufer mit der Rückwärtsfahrt, damit das Boot einen stabilen Kurs aufnimmt und auf das Ruder reagiert. Die Windrichtung muss dabei berücksichtigt werden, weil Seitenwind am stärksten auf den Bug wirkt. Wenn ich wählen kann, fahre ich lieber rückwärts gegen den Wind. Der Schwung des Bugs am Ende der Drehung wirkt dann der Windkraft entgegen, sodass der Bug nicht so schnell nach Lee versetzt wird.

Bei stärkerem Wind benötigen Sie die für dieses Boot erforderliche Mindestfahrt, damit das Ruder wirkt; zu viel Geschwindigkeit vergrößert jedoch Aufprallenergie und Anhalteweg. Bestimmen Sie die sichere Rückwärtswirkung zuvor im freien Wasser. Wird die seitliche Versetzung zu groß oder der Anlauf instabil, fahren Sie aus der Box und setzen neu an, statt Geschwindigkeit als Ersatz für Kontrolle zu verwenden.

Im richtigen Moment lege ich den Vorwärtsgang ein und stoppe das Boot mit dem Heck nahe am Ufer. Anschließend belege ich die luvseitige Heckleine und gebe vorsichtig Vorwärtsgas. Das Boot nimmt die Last auf der Heckleine auf; mit dem Ruder halte ich die Mittschiffslinie im rechten Winkel zum Ufer. Ich fiere die Heckleine etwas, bis das Boot etwa zwei Meter vom Ufer entfernt ist. Dann fixiere ich das Ruder und nehme die Aufholleine der Mooring mit einem Bootshaken auf.

Ich arbeite mich an der Leine nach vorn und achte darauf, dass sie weder unter das Boot noch in die Nähe des Propellers gerät. Während ich auf dem Seitendeck zum Bug gehe, führe ich die Aufholleine über die Mittelklampe an Deck, damit sie sich nicht unter dem Boot verfangen kann. Anschließend hole ich die Mooringleine dicht und belege sie am Bug.

Ich kehre zum Heck zurück, lege den Rückwärtsgang ein und bringe das Heck näher an den Steg. Dann steige ich mit der zweiten Heckleine an Land und belege sie am Steg. Durch die Rückwärtsfahrt wurde die Mooringleine stärker gespannt, als ich es von Hand könnte. Dadurch kann selbst kräftiger Wind über den Bug das Heck nicht auf den Steg drücken.

Am schwierigsten ist das Manöver, wenn auf beiden Seiten keine anderen Boote liegen. Dann wirkt der Wind auf die gesamte Seitenfläche, und ich muss das Boot allein mit der Heckleine stabilisieren. Fahre ich rückwärts in eine Lücke zwischen Booten oder neben ein Boot auf meiner Leeseite, wird das Manöver leichter, weil mich der Wind auf die Fender an der Seite des Nachbarboots trägt.

Darstellung eines mit dem Heck zum Kai festgemachten Boots

Das Ablegen von einem Mooringliegeplatz mit dem Heck zum Kai erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Dabei müssen Sie jedoch die wirkenden Kräfte, besonders bei Seitenwind, berücksichtigen und vor der Abfahrt alles sorgfältig vorbereiten.

Ich lege beide Heckleinen auf Slip, damit sie von Bord aus gelöst werden können. Bei starkem Seitenwind bereite ich außerdem eine auf Slip gelegte Leine zum luvseitigen Nachbarboot vor. Ein Crewmitglied kann damit den Bug halten, bis unser Boot ausreichend Fahrt aufgenommen hat. Andernfalls wird der Bug vom Wind erfasst, sobald er über das luvseitige Boot hinausragt.

Ich starte den Motor und lege den Vorwärtsgang ein. Zunächst löse ich die leeseitige Heckleine und richte das Boot mit dem Ruder rechtwinklig zum Steg aus. Das Boot nimmt die Last auf der verbleibenden Heckleine auf. Wenn der Weg voraus frei ist, kann ich die Mooringleine lösen und abwerfen. Ich warte kurz, bis sie weit genug abgesunken ist, damit sie weder in den Propeller noch an den Kiel gerät. Dann löse ich die letzte, luvseitige Heckleine und fahre voraus. Wird eine Leine vom Bug zum luvseitigen Nachbarboot verwendet, wird sie nach und nach gefiert und schnell eingeholt, sobald unser Boot den Kurs hält. Ist voraus nicht genug Platz, um genügend Fahrt für eine Drehung in den Wind aufzunehmen, lasse ich den Bug nach Lee fallen und fahre rückwärts durch die Gasse zwischen den Booten hinaus.

Mögliche Schwierigkeiten

Mit dem eigenen Anker rückwärts zum Kai anlegen

Diese Methode ist in manchen Teilen des Mittelmeers sehr verbreitet. In Griechenland finden Sie beispielsweise an vielen Stadtkais und in zahlreichen Marinas keine ausgelegten Mooringleinen und müssen daher den eigenen Anker verwenden. Die Annäherung ähnelt dem rückwärtigen Anlegen an einer Mooring. Zusätzlich müssen Sie beim Rückwärtsfahren jedoch die Ankerkette ausbringen.

Luftaufnahme einer Marina auf Ithaka

Mögliche Schwierigkeiten

Abschließende Hinweise

Übung ist immer entscheidend. Wenn Sie ein Manöver bei starkem Wind sicher ausführen möchten, müssen Sie es vorher ausprobiert haben. Deshalb empfehle ich, die hier beschriebenen Verfahren auch dann anzuwenden, wenn es genügen würde, Bug und Heck von Hand wegzudrücken. Nur durch regelmäßige Wiederholung entwickeln Sie die nötige Sicherheit.

Stellen Sie sich vor Beginn eines Manövers alle Kräfte vor, die unter den herrschenden Bedingungen auf das Boot wirken: die Windkraft und, auf einem Fluss oder an einem Ort mit starker Strömung, zusätzlich die Kraft des Wassers. Lösen Sie beim Ablegen die Festmacher schrittweise und einzeln und beobachten Sie, wie sich das Boot verhält.

Bevor ich an einem unbekannten Ort anlege, schaue ich ihn mir lieber zunächst an. Stelle ich fest, dass nicht alles für die konkrete Anfahrt richtig vorbereitet ist – etwa weil die Fender in falscher Höhe hängen –, fahre ich wieder hinaus, nehme die notwendigen Anpassungen vor und kehre erst dann zum Anlegen zurück.


Tomáš Kůdela

Der Originalbeitrag stellte Tomáš Kůdela im Jahr 2024 als Elektronikentwickler, Eigner einer Delphia 40 sowie Inhaber einer tschechischen Kategorie-A-Qualifikation vor. Diese biografischen Angaben wurden für die Aktualisierung 2026 nicht unabhängig bestätigt. Berichte aus seinem Projekt finden Sie unter www.tomaskudela.cz.